Berner Sandstein

Ein Sandstein aus der Schweiz

Die Schweiz beherbergt viele verschiedene Natursteine. Besonders Granitsorten sowie unterschiedliche Sandsteine werden hier gewonnen. Dem Berner Sandstein kommt dabei eine spezielle historische Bedeutung zu.

Berner Sandstein ziert die Altstadt

Bern, die Bundesstadt der Schweiz, wurde 1405 von einem verheerenden Brand grossflächig zerstört. Am 14. Mai brach das Feuer aus, das sich schnell ausbreitete, da es an diesem Tag sehr windig war. Dieser Umstand erschwerte das Löschen des Brandes erheblich, weshalb 600 Häuser und mehr als hundert Menschen dem Feuer zu Opfer fielen. Diese herben Verluste wollte man nicht noch einmal verzeichnen müssen – es musste also ein beständigeres Baumaterial her. So kam es dazu, dass Berner Sandstein beim Wiederaufbau der Altstadt verwendet wurde. Nicht nur das Kornhaus, die Heilig-Geist-Kirche oder das Burgerspital werden vom Schweizer Naturstein geziert. Die Berner Altstadt mit ihren Sandsteinfassaden gehört sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Nahaufnahme Sandsteinplatte Kandla GreyBerner Sandstein fand nach dem grossen Brand vielfach Anwendung bei der Häusergestaltung.

Berner Sandstein: ein Molasse-Sandstein

Der Naturstein aus Bern zählt zu den Molasse-Sandsteinen. Das bedeutet, dass er zu den Sedimentgesteinen zählt, die bei der Abtragung eines Faltengebirges zwischen der Hebungs- und der Einebnungsphase entstehen. Vor 25 Millionen Jahren bildete sich der Berner Sandstein aus Schuttablagerungen von Alpengeröllen im Flachmeer. Charakteristisch sind die Rippeln, die durch die Wellenbewegungen im Sediment sichtbar wurden. Berner Sandstein besteht aus ca. 60% Quarz, knapp 20% Feldspat, ebenfalls knapp 20% Gesteinsbruchstücken und 2-4% Schwermineralen. Die schlecht gerundeten Körner werden nur teilweise durch Kalzit verbunden, wodurch ungefüllte Hohlräume entstehen. Somit weist der Berner Sandstein ein grosses Porenvolumen von 15-20% auf und eignet sich deshalb gut als Isolationsmaterial.

Bunte Skulpturen aus Berner Sandstein

Der Grundton von Berner Sandstein ist grau. Graue Natursteine liegen im Trend, aber etwas Farbe kann ja nicht schaden, oder? Dementsprechend weist der Berner Sandstein Farbnuancen von Olivgrün über Blau bis hin zu Gelb auf. Roter Sandstein, wie er in Deutschland gewonnen wird, ist hier allerdings nicht vertreten. Die grünen Farbtöne des Berner Sandsteins entstehen bei der Oxidation des Minerals Glaukonit. Die geringe Kornbindung des Natursteins führt dazu, dass der Berner Sandstein sich hervorragend mit Steinmetz- und Steinhauerwerkzeugen bearbeiten lässt. Bis heute werden Skulpturen aus dem Schweizer Naturstein hergestellt. Berner Sandstein ist also ein Weichgestein, weshalb man bei der Reinigung unbedingt unsere Tipps beachten sollte.

Ein rückläufiger Kandidat

Seit über 800 Jahren wird der Berner Sandstein nun schon gewonnen. In diesem Zeitraum wurden 1,5 Millionen Kubikmeter des Natursteins abgebaut. Heute kommt Berner Sandstein aus Ostermundigen und Krauchthal, wo der Naturstein von der Carlo Bernasconi AG als letztem Familienbetrieb gewonnen wird. Aufgrund der Empfindlichkeit gegenüber Verwitterung wird Berner Sandstein kaum mehr für den Bau von Fassaden verwendet. An seine Stelle treten nach und nach andere Natursteine, wie beispielsweise der indische Sandstein, die aufgrund der vielfältigen Importmöglichkeiten massenhaft den Weg in die Schweiz finden. Ein weicher Sandstein in der harten Welt hat es eben nicht leicht!

[Fotos v.o.n.u.: eGuide Travel "Bern" unter CC-Lizenz, stonenaturelle]

Geschrieben von:

Autor stonenaturelle

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